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24. Dezember 2011

Hilfe vor Ort für Rückkehr in den Beruf

Bad Wimpfen Gemeinsam mit dem operierten Patienten" das Beste herauszuholen" ist für Dr. Annemarie Janssen" im Prinzip noch wichtiger als die Operation selbst." Deshalb war es schon immer ihr Wunsch, von der Unfallchirurgie in die ambulante Rehabilitation zu wechseln. Mehrere Facharzt-Abschlüsse musste sie für dieses Ziel zusätzlich absolvieren. Seit September baut die 55-Jährige eine solche Abteilung im Therapiezentrum des Bad Wimpfener SRH-Gesundheitszentrums auf.

Während stationär hauptsächlich ältere Leute und Rentner behandelt werden, sind die Patienten der ambulanten Therapie vor allem Menschen, die noch mitten im Berufsleben stehen. Die einen haben häufig Begleiterkrankungen, die anderen sind noch stärker belastbar.

Kompakt Von daher seien auch die Ziele ganz unterschiedlich, erklärt Janssen: Eine 70-Jährige mit Kniegelenksprothese müsse im Alltag wieder zurechtkommen, wieder einkaufen gehen können, etwa mit dem Rollator. Bei einem jungen Patienten mit Kreuzbandriss gehe es um die Re-Integration in den Beruf, aber auch in seinen sportlichen Alltag. "Das ist ein kompaktes Programm, die kommen kaum dazu, Luft zu holen, sind sechs Stunden am Tag voll beschäftigt", beschreibt sie dieses Trainingsprogramm.
Aber auch kleine Auszeiten sind vorgesehen. Dafür gibt es im Altbau des SRH-Gesundheitszentrums als Anlaufstelle einen Ruhe- und einen Aufenthaltsraum, in die sich die Patienten zurückziehen können. Wichtig findet es die ärztliche Leiterin der ambulanten Rehabilitation auch, dass dort immer jemand ist, der zuhört: "Meine Reha-Assistentin Nicole Rohleder bekommt Dinge erzählt, die ich nie erfahre."

Die ambulante Reha umfasst normalerweise 15 Tage. Die Anreisezeit sollte nicht länger als 45 Minuten dauern." Sowohl im Hinblick auf das therapeutische Angebot als auch in Bezug auf Qualität und Erfolg der Behandlung ist sie der stationären Rehabilitation ebenbürtig, wenn nicht sogar intensiver", sagt Annemarie Janssen. Einen großen Vorteil sieht sie darin, mit den Betriebsmedizinern vor Ort zusammenarbeiten zu können.

"Rehabilitation ist eine integrative Behandlung", betont die 55-Jährige. Deshalb gibt es neben der ärztlichen Betreuung weitere Experten, die mitarbeiten: Der Ergotherapeut bietet Arbeitsplatzberatung oder spezifisches Arbeitsplatztraining, wie etwa eine berufsbezogene Rückenschule, an. Der Sozialarbeiter managt im direkten Kontakt mit dem Betrieb das Wiedereingliederungsverfahren in den Beruf, während Physio- und Sporttherapeuten sowie Sportlehrer und Masseure "am Patienten arbeiten", so Janssen. Auch Psychologen sind mit im Boot. Insgesamt hat sie einen Stamm von zehn bis 15 Mitarbeitern. Inzwischen werden in Bad Wimpfen täglich 25 bis 30 Patienten ambulant behandelt. Das Team um Annemarie Janssen trifft sich regelmäßig, um jeden einzelnen Fall durchzusprechen und festzustellen, ob die Therapie angemessen ist oder verändert werden muss. In der stationären Reha sei das schon aufgrund der Anzahl von rund 120 Patienten nicht möglich, erklärt die frühere Oberärztin der Vulpius-Klinik Bad Rappenau und der SLK-Klinik am Gesundbrunnen in Heilbronn.

Schmerztherapie Janssen ist erst am Anfang ihrer Aufbauarbeit, hat noch viele Ideen. Für Menschen mit Rückenproblemen gibt es beispielsweise ab Januar das Programm "Schmerz lass nach" mit drei Säulen: Die psychologische Seite beleuchtet Fragen wie "Was ist Schmerz? Wie kann man ihn beherrschen?" Im aktiven Bereich werden Kraft, Ausdauer und Muskulatur trainiert. Ergänzt wird das Ganze durch Ernährungsberatung. "Das ist im Werden. Ich kann mir vorstellen, dass es gut angenommen wird", sagt die Ärztin, die in ihrem Beruf aufgeht: "Ich mache die Reha leidenschaftlich gerne, aber ich war auch eine leidenschaftliche Unfallchirurgin." An den Wochenenden übernimmt sie deshalb noch freiwillig Notarztdienste, zum Beispiel im Brackenheimer Krankenhaus.

Quelle: Heilbronner Stimme