Standard-SchriftgrößeGrößere SchriftGrößte Schrift

16. November 2011

Neuer Chef schon voller Vorfreude

Bad Wimpfen Endlich. Im Oktober kommen die ersten Patienten. Rund eine Million Euro hat die Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) in den Aufbau der Neurologie im Gesundheitszentrum investiert. Und einen frisch gebackenen Leiter gibt es auch. Die Lust, die neue Abteilung in Bad Wimpfen aufzubauen, ist ihm anzumerken. Professor Volker Hömberg, bislang Chefarzt Neurologie der St. Mauritius Therapieklinik in Meerbusch bei Neuss, freut sich auf den Start.

Auch konzernweit wird er die Koordination und wissenschaftliche Begleitung der neurologischen Reha übernehmen. "SRH ist der siebtgrößte Klinikanbieter in Deutschland bei den privaten Klinikgruppen. Mit den Schmieder-Kliniken haben wir den größten neurologischen Früh-Rehabereich in Baden-Württemberg. Zudem ist SRH ein Unternehmen, das eine gute Kombination von Ausbildung und Bildung bietet," begründet der 57-Jährige den beruflichen Wechsel.

Verzögerung Zwar waren die ersten Patienten für Juli eingeplant. "Das verwaltungstechnische Verfahren hat sich hingezogen", sagt Volker Kull, Geschäftsführer des SRH-Gesundheitszentrums Bad Wimpfen. Jetzt säßen die Akut-Krankenhäuser wie etwa das SLK-Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn auf heißen Kohlen. "Wir bekommen großen Bedarf signalisiert." Grund: Das Angebot in Bad Wimpfen schließt eine Versorgungslücke in der Region. Die Abteilung startet mit 35 Betten. "Ende 2012 sollen es 80 sein", sagt Kull.

Aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern, den Kliniken Bad Mergentheim, Mosbach, Sinsheim, Ludwigsburg, Schwäbisch Hall und Schwäbisch Gmünd sollen die Patienten kommen. Und besonders aus dem Gesundbrunnen Heilbronn, mit dem die Zusammenarbeit bereits vereinbart ist, so Kull.

Bislang mussten Betroffene in den Schwarzwald oder an den Bodensee, um nach dem Krankenhausaufenthalt wieder auf die Beine zu kommen. Das geht nach Willen des ärztlichen Leiters Hömberg nicht mit althergebrachten Anwendungen. Die Reha habe sich in den vergangenen zehn Jahren gewandelt. "Der Therapeut arbeitet eher wie ein Coach. Ziel ist die maximale Autonomie des Patienten", sagt er. Dafür sorgt ein großes Team neuer Mitarbeiter. "Wir schaffen in den nächsten 14 Monaten 80 Arbeitsplätze, verteilt auf 120 Mitarbeiter", sagt Kull.

"60 bis 70 Prozent" der Rehabedürftigen im Bereich Neurologie werden Schlaganfall-Patienten sein, so die Schätzung von Volker Hömberg. "An zweiter Stelle stehen dann die häuslichen Unfälle, etwa bei Älteren." Auch an Tumor-, Parkinson- und an Multipler Sklerose Erkrankte richtet sich das neue Angebot.

450 000 Euro steckt der SRH-Konzern in bauliche Veränderungen innerhalb des Hauses. Größe und Ausrichtung des geplanten Neubaus entscheidet sich im Dezember. 600 000 Euro sind für technische Ausstattung im Bereich Diagnose und Therapie vorgesehen. Stolz sind Kull und Hömberg auf die Anschaffung eines Lokomaten, der mit 250 000 Euro den Wert eines Einfamilienhauses hat. Mit dem Roboter können Patienten früh behandelt werden, um wieder laufen zu lernen. "Es gibt dann zwei Standorte in Baden-Württemberg, die über so ein Gerät verfügen", sagt Kull. Hömberg setzt auf die Anschaffung eines ähnlichen Systems für Patienten, deren Arme Lähmungserscheinungen haben. "Wir hätten das dritte Gerät in Deutschland." Die Roboter ersetzten aber nicht die Therapeuten, sondern unterstützten deren Arbeit.

Synergie Auch die bestehenden Bereiche in Wimpfen sollen von der Neurologie profitieren. "Viele Schlaganfallpatienten haben Herz-Probleme. Oder sind wundgelegen. Da ist es von Vorteil, dass wir hier ein sehr gutes Wundzentrum haben. Bei Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht oder der Identifikation von Tönen kommt unsere HNO-Ärztin im Haus ins Spiel," sagt Hömberg, der die neurologische Reha auch im Unternehmen weiterentwickeln wird. Im Rahmen einer Summerschool sollen Mediziner ab 2012 etwa Zusatzqualifikationen in Wimpfen erwerben können.

Quelle: Heilbronner Stimme, Artikel von Petra Müller-Cromer