Standard-SchriftgrößeGrößere SchriftGrößte Schrift

16. November 2011

Bei ersten Symptomen sofort reagieren

Gerade unterhält sich die Oma noch mit der Enkelin, da entgleitet der Seniorin plötzlich die Sprache, der Mundwinkel hängt nach unten und die ganze rechte Seite wird schlaff. Alles nur ein Rollenspiel der Azubis vom Beilsteiner Haus Ahorn beim Infotag "Versorgungskette nach Schlaganfall" im SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen. Doch für bundesweit 250 000 Menschen und deren Angehörige jedes Jahr Realität.

Startschuss Am 4. Oktober ist der Startschuss für die neurologische Reha-Abteilung im SRH-Gesundheitszentrum gefallen. Die ersten Patienten sind vor Ort. "Durch den demographischen Wandel werden wir uns verstärkt mit der Krankheit beschäftigen müssen", sagte Gerda Maisenhälder von der Abteilung Marketing und Gästebetreuung. Angeschobenen wurde der Aktionstag mit fachärztlichen Vorträgen sowie dem beratenden Angebot von Krankenkassen, DRK, Seniorenheimen, Sozialberatern, Logopäden, Ergotherapeuten, Ernährungsberatern und verschiedenen Sportgruppen vom Pflegenetz Heilbronn.

Die Azubis der Beilsteiner Seniorenwohnanlage machen alles richtig: Sofort wird der Notarzt gerufen, Blutdruck und Blutzucker gemessen und die Patientin mit einer Infusion und Sauerstoff erstversorgt. Wäre es keine Simulation, ginge es jetzt mit Blaulicht ab ins Krankenhaus. Auch nach dem Klinikaufenthalt reißt die Versorgungskette nicht ab.

Das Rollenspiel macht deutlich: Bei Krankheitssymptomen wie Schwindel, Seh- und Sprachstörungen oder extremem Kopfschmerz ist es entscheidend, sofort zu handeln. Anzeichen, wie sie Leo Imhof vor 20 Jahren verspürte: "Bei Autofahrten sind die Kennzeichen vor mir nach oben und unten gesprungen", erzählte der einstige Chef eines Gas-Wasser-Installationsgeschäfts vor einem interessierten Publikum. Auch seine gereizte Stimmung nahm er so lange nicht ernst, bis insgesamt sechs Schlaganfälle und drei Herzattacken ihm seine Situation deutlich machten. Heute ist er Vorsitzender des 2008 ins Leben gerufenen Deutschen Schlaganfall Forums, das aus der 1999 gegründeten Selbsthilfegruppe Schlaganfall Sinsheim hervorging.

Prävention Ein Irrtum sei die Annahme, es könne nur ältere Menschen treffen. Imhof beschrieb seinen eigenen Weg zurück ins Leben: Heute sei er zu 80 Prozent wieder hergestellt, doch "vor 20 Jahren galt ich noch als Simulant, der vier Wochen auf einen Krankenhausplatz warten musste". Prävention, Akutfall, Reha und Nachsorge: Andreas Haupt, Vorsitzender des Pflegenetzes Heilbronn, wies auf die "Notwendigkeit der Zusammenarbeit" hin. Heute seien die Angebote auf einem aktiven Weg zurück ins Leben deutlich besser. Doch: "Häufig fehlt es noch an Information." Ziel sei deshalb eine "positive Weiterentwicklung aller Vernetzungspunkte".

Quelle: Heilbronner Stimme, Artikel von Ute Plückthun